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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 14. Dezember 2017

OSCAR-News: "Three Billboards" heißt der Gewinner der Nominierungen der Schauspielergilde SAG

Nach der ersten großen Welle von Kritikerpreisen geht die Awards Season stets in die Phase der Gilden- respektive Gewerkschaftspreise über - verliehen also von Filmschaffenden aus den unterschiedlichen Sparten selbst. Da Kritiker und Filmschaffende bekanntlich nicht immer den gleichen Geschmack oder die gleiche Gewichtung der Bedeutung der einzelnen Aspekte eines Films haben, kann das OSCAR-Rennen durch die Gilden durchaus einen ganz anderen Verlauf nehmen, in der Regel sind es aber einzelne Namen, die einen deutlichen Schub erhalten oder umgekehrt in Vergessenheit geraten. Die meisten Gilden verkünden ihre Nominierungen dieses Mal erst im neuen Jahr, eine Ausnahme macht die mit Abstand größte Gewerkschaft - die der Schauspieler -, die gestern ihre Kandidaten für ihre SAG Awards bekanntgaben. Dies sind im Filmbereich in den OSCAR-relevanten Kategorien:

Hauptdarstellerin:
- Judi Dench, "Victoria & Abdul"
- Sally Hawkins, "Shape of Water"
- Frances McDormand, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
- Margot Robbie, "I, Tonya"
- Saoirse Ronan, "Lady Bird"

Hier ist es Dame Judi Dench, die den oben erwähnten Schub durch diese Nominierung erhalten könnte, denn wiewohl sie von Beginn an zu den realistischen Anwärterinnen auf eine OSCAR-Nominierung zählte, ist die Konkurrenz doch so stark, daß ihr zuletzt (trotz der Golden Globe-Nominierung am Montag, die es aber in der schwächer besetzten Komödien-Sparte gab) eher Außenseiterchancen eingeräumt wurden. Daß sie nun hier mit Meryl Streep ("Die Verlegerin"), Jessica Chastain ("Molly's Game") und auch Emma Stone ("Battle of the Sexes") drei höher eingeschätzte Konkurrentinnen verdrängen konnte, steigert ihre Aussichten auf eine weitere Academy Award-Nominierung ganz erheblich. Für Meryl Streep, neben Ronan und Hawkins die eigentliche Topfavoritin, ist die Nicht-Nennung dagegen ein unerwarteter Rückschlag.

Hauptdarsteller:
- Timothée Chalamet, "Call Me by Your Name"
- James Franco, "The Disaster Artist"
- Daniel Kaluuya, "Get Out"
- Gary Oldman, "Die dunkelste Stunde"
- Denzel Washington, "Roman J. Israel, Esq."

Offensichtlich stehen die Schauspieler deutlich weniger auf Steven Spielbergs "Die Verlegerin" als die Kritiker, bei denen der historische Journalismus-Thriller sehr schnell zum Topfavoriten aufstieg. Bei den SAG Award-Nominierungen geht er durch Tom Hanks' Fehlen komplett leer aus, dafür schafft Denzel Washington als Anwalt bereits seine zweite nicht wirklich erwartete Nominierung der Woche. Und daß die Academy Denzel Washington sowieso liebt, zeigen seine bislang acht OSCAR-Nominierungen - so wie es aussieht, könnte im Januar die neunte dazukommen ... Sicher ist das aber nicht, denn mit Daniel Day-Lewis und Jake Gyllenhaal gibt es noch zwei weitere starke Konkurrenten, die sich um einen der fünf Plätze streiten - wobei Day-Lewis bislang eigentlich (wie Hanks) als gesetzt angesehen wurde. Für Topfavorit Oldman und Newcomer Chalamet gilt das nach den SAG Awards weiterhin, die Chancen von Kaluuya und Franco haben sich vergrößert. Übrigens: Gewählt werden konnte "Die Verlegerin" definitiv, allerdings wurden die Screener (wie auch beim ebenfalls komplett übergangenen "Der seidene Faden") später versandt als bei den hier nominierten Filmen - möglicherweise haben sie einige Stimmberechtigte also einfach nicht mehr rechtzeitig anschauen können. Dennoch: Ein gutes Omen für die OSCARs sind die fehlenden SAG Award-Nominierungen für dieses Duo natürlich nicht.

Nebendarstellerin:
- Mary J. Blige, "Mudbound"
- Hong Chau, "Downsizing"
- Holly Hunter, "The Big Sick"
- Allison Janney, "I, Tonya"
- Laurie Metcalf, "Lady Bird"

Holly Hunter kann die überraschende Nicht-Nominierung bei den Golden Globes wettmachen, dafür fehlt Octavia Spencer ("Shape of Water"). So wie es aktuell aussieht, werden sich wohl diese beiden um den fünften Platz duellieren, die anderen vier scheinen sicher zu sein. Wobei ich weiterhin eine posthume Nominierung für "Star Wars"-Ikone Carrie Fisher für möglich halte (bei den bisherigen Preisen war "Episode VIII" vermutlich noch nicht wählbar, da er aus Angst vor Spoilern erst kurz vor dem Kinostart präsentiert wurde) - nachdem ich den Film gesehen habe (Kritik folgt wahrscheinlich erst am Dienstag), halte ich die Chance jedoch für gering, da ihre Rolle doch kleiner ausgefallen ist als ich es erwartet hatte.

Nebendarsteller:
- Steve Carell, "Battle of the Sexes"
- Willem Dafoe, "The Florida Project"
- Woody Harrelson, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
- Richard Jenkins, "Shape of Water"
- Sam Rockwell, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Bei den bisherigen Preisen wurde für Martin McDonaghs Tragikomödie "Three Billboards" meist Rockwell statt Harrelson nominiert, hier haben es beide geschafft - nicht auszuschließen, daß sie auch zusammen bei den OSCARs auftauchen. Dafür ging mit "Call Me by Your Name" ein anderer Film mit zwei aussichtsreichen Nebendarstellern (Armie Hammer, Michael Stuhlbarg) hier leer aus. Ziemlich überraschend taucht hingegen Steve Carell auf - vor allem deswegen überraschend, weil er in der Tenniskomödie "Battle of the Sexes" eigentlich ein Hauptdarsteller ist! Aber angesichts der großen Konkurrenz in dieser Kategorie ist es vielleicht nicht schlecht für ihn, daß er plötzlich als Nebendarsteller gehandelt wird; vielleicht ja auch bei den OSCARs?

Ensemble:
- The Big Sick
- Get Out
- Lady Bird
- Mudbound
- Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Gewissermaßen die SAG Award-Entsprechung zum "Bester Film"-OSCAR. Das Fehlen von "Die Verlegerin" ist auch hier bemerkenswert, ebenso fehlt etwas überraschend "Dunkirk", dafür kommt die Nominierung für "Mudbound" relativ unerwartet.

Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhält Morgan Freeman.

Alle Nominierungen inklusive der TV-Kategorien gibt es als PDF-Datei auf der Homepage der SAG Awards.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

COCO – LEBENDIGER ALS DAS LEBEN! (3D, 2017)

Regie: Adrian Molina und Lee Unkrich, Drehbuch: Adrian Molina und Matthew Aldrich, Musik: Michael Giacchino
Sprecher der Originalfassung: Anthony Gonzalez, Gael García Bernal, Benjamin Bratt, Alanna Ubach, Renée Victor, Jaime Camil, Alfonso Arau, Ana Ofelia Murguía, Herbert Siguenza, Sofía Espinosa, Gabriel Iglesias, Natalia Cordova-Buckley, Edward James Olmos, Cheech Marin, John Ratzenberger, Lee Unkrich, Adrian Molina
 Coco - Lebendiger als das Leben
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 97% (8,2); weltweites Einspielergebnis: $391,1 Mio.
FSK: 0, Dauer: 105 Minuten.

Der zwölfjährige Miguel (in der Originalfassung gesprochen von Anthony Gonzalez) hat einen großen Traum: Er will unbedingt Musiker werden, so wie es einst sein Ururgroßvater war. Über den weiß Miguel ansonsten allerdings überhaupt nichts, was mit dem gigantischen Hindernis zusammenhängt, das der Erfüllung seines Traumes im Wege steht: Da Miguels Ururgroßvater seine Familie zugunsten seiner Musikerkarriere verließ, wurde er nicht nur weitestgehend aus der Familiengeschichte getilgt (einzig seine inzwischen selbst uralte Tochter Coco hat noch positive Erinnerungen an ihn) – seitdem ist auch jegliche Form der Musik tabu! Miguel hält das nicht davon ab, heimlich das Gitarrespielen zu üben, doch als er an einem Musikerwettbewerb teilnehmen will, wird ihm das strikt verboten und seine Gitarre zerstört. Der trotzige Miguel will trotzdem auftreten und zu diesem Zweck das Instrument seines Idols, des lange verstorbenen Ernesto de la Cruz (Benjamin Bratt, "Doctor Strange"), aus dessen Grabmal ausborgen. Das führt allerdings dazu, daß er – obgleich sehr wohl noch am Leben – irgendwie im Totenreich landet, wo er unbedingt innerhalb einer Nacht Ernesto finden muß, um wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Mehr oder weniger hilfreiche Unterstützung bekommt er dabei von dem etwas tollpatschigen, jedoch liebenswürdigen Straßenhund Dante und von dem windigen Héctor (Gael García Bernal, "Babel"), der Ernesto kennt und seinerseits Miguels Hilfe benötigt, um nicht für immer in Vergessenheit zu geraten …

Montag, 11. Dezember 2017

OSCAR-News: Die Golden Globe-Nominierungen 2017/2018

Die Nominierungen für die von der Auslands-Filmpresse vergebenen Golden Globes sind stets der erste große Höhepunkt der Awards Season. Durch die Unterteilung der Hauptkategorien in eine Drama- und eine Komödie/Musical-Sparte haben besonders viele OSCAR-Anwärter die Chance auf eine Nennung - gleichzeitig bedeutet das, daß eine Nicht-Berücksichtigung kein allzu hoffnungsvoller Indikator für eine spätere Academy Award-Nominierung ist. Zu beachten ist allerdings, daß die Drama-Vertreter bei den OSCARs traditionell bessere Aussichten haben als die Komödien. Die Bedeutung für die OSCARs unterstreicht übrigens auch diese Statistik: Seit 1990 gab es keinen Academy Award-Gewinner für den besten Film, der zuvor nicht bei den Golden Globes als bester Film oder für die beste Regie nominiert war ...

Und damit zu den Nominierungen aus dem Filmbereich:

Bestes Drama:
- Call Me by Your Name
- Die Verlegerin
- Shape of Water
- Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Keine wirkliche Überraschungsnominierung (wie es etwa "Blade Runner 2049" oder "Wonder Woman" gewesen wären), dafür fehlen mit Paul Thomas Andersons Modedrama "Der seidene Faden", Joe Wrights Churchill-Biopic "Die dunkelste Stunde" und Sean Bakers Independent-Tragikomödie "The Florida Project" (der zuvor das "Triple" aus Nennungen bei NBR Awards, Critics' Choice Awards und AFI Awards gelang) drei Schwergewichte, die dank der erwähnten Dramen-Übergewichtung aber trotzdem weiter gute Chancen auf eine OSCAR-Nominierung haben. Für Dee Rees' Kriegs-/Sozialdrama "Mudbound" sieht es dagegen eher schlecht aus, da es bereits in der bisherigen Awards Season nicht allzu gut abschnitt. Als Favoriten sehe ich hier "Die Velegerin" an, hinsichtlich der OSCARs dürften jedoch "Dunkirk" und "Call Me by Your Name" auf einer Stufe stehen.

Beste Komödie oder Musical:
- The Disaster Artist
- Greatest Showman
- I, Tonya
- Lady Bird

Die größte Überraschung ist das Fehlen der charmanten Coming of Age-Tragikomödie "The Big Sick", dafür läßt die Nominierung für "Greatest Showman" (zu dem es bislang noch keine Kritiken gibt) hoffen, daß das Zirkus-Musical qualitativ gut ausgefallen ist. Die Einordnung des satirischen Horror-Thrillers "Get Out" in der Komödien-Sparte ist übrigens mehr als diskutabel, aber ein oder zwei solche Fälle gibt es fast jedes Jahr. Einen klaren Favoriten sehe ich hier nicht, aber ich würde aktuell auf "Lady Bird" tippen.

TV-Tips für die Woche 50/2017

Nachtrag: Anläßlich des Todes von Johnny Halliday hat Arte sein Mittwochabend-Programm geändert und zeigt statt der von mir empfohlenen Komödie "Liebling der Frauen" um 23.40 Uhr Jean-Luc Godards Krimikomödie "Détective" von 1985, in der der französische Rockstar eine Hauptrolle spielt.
Nachtrag 2: Das hatte ich ganz übersehen: Bereits um 20.15 Uhr zeigt Arte am Mittwoch die Halliday-Komödie "Ehrbare Ganoven", weshalb "Wenn das Fest beginnt ..." entfällt.

Montag, 11. Dezember:
Arte, ab 20.15 Uhr: "Der blaue Engel" (1930), "Opfergang" (1944), "Hitlers Hollywood" (2017)
Arte zeigt einen großen Themenabend zum 100. Geburtstag des deutschen UFA-Filmstudios. Den Auftakt macht mit Josef von Sternbergs "Der blaue Engel" (einer eher losen Adaption von Heinrich Manns "Professor Unrat") einer der ganz großen UFA-Klassiker, der Marlene Dietrich in der Hauptrolle der verführerischen Sängerin Lola, die einem deutlich älteren, sehr strengen und stets korrekten Gymnasialprofessor (Emil Jannings) zum Verhängnis wird, zum Weltstar machte. Um 22.00 Uhr folgt Veit Harlans "Opfergang", ein kunstvolles Liebesmelodram mit Carl Raddatz und Kristina Söderbaum über eine intellektuelle Ménage à trois. Und da es sich streng genommen um einen Nazi-Propagandafilm handelt (wenn auch einen vergleichsweise subtilen), läuft passend dazu im Anschluß um 23.35 Uhr als Free-TV-Premiere Rüdiger Suchslands Doku "Hitlers Hollywood" über das deutsche Kino während des Dritten Reichs.

NDR, 23.15 Uhr: "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975)
Volker Schlöndorff und Margarethe Trotta adaptierten Heinrich Bölls bitterböse Abrechnung mit der Boulevard-Presse (speziell der BILD-Zeitung). Angela Winkler ("Die Blechtrommel") spielt die Titelfigur, die eine Nacht mit Ludwig (Jürgen Prochnow) verbringt, ohne zu wissen, daß dieser des Bankraubs und Mordes beschuldigt wird. Von der Polizei wird sie prompt als vermeintliche Fluchthelferin verhaftet, woraufhin sie von der führenden Boulevard-Zeitung mitleidlos und mit dreisten Lügen als Mittäterin angeprangert wird - mit den zu erwartenden Folgen für ihr Privat- und Arbeitsleben. Mario Adorf spielt den engstirnigen und selbstherrlichen leitenden Ermittler.

Dienstag, 12. Dezember:
RTL Nitro, 23.45 Uhr: "Jackie Chan: Sie nannten ihn Knochenbrecher" (1978)
Der auch unter dem Titel "Drunken Master - The Beginning" bekannte Film machte Jackie Chan in der Rolle des Nationalhelden Wong Fei Hung gemeinsam mit dem kurz zuvor erschienenen "Die Schlange im Schatten des Adlers" zum Star des Hongkong-Kinos. Beide Actionkomödien sind bis heute äußerst sehenswert, was auch an der Regie von Yuen Woo-Ping liegt, der bis heute zu den besten Kampfchoreographen weltweit zählt (er war maßgeblich an der "Matrix"-Trilogie, "Tiger & Dragon", "Kill Bill" und "The Grandmaster" beteiligt). Leider dürfte RTL Nitro hier eine neu synchronisierte Fassung zeigen, die dem Vernehmen nach nicht an den Charme der ursprünglichen Synchro heranreicht - aber den Actionszenen schadet das ja nicht ...

Samstag, 9. Dezember 2017

Samstags-Update (49/2017)

Keine nennenswerten Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende 2017:


Box Office-News:
Nachdem bereits das letzte Wochenende das laut InsideKino schwächste vorweihnachtliche seit neun Jahren war, sieht es diese Woche sogar noch trauriger aus: Gerade mal zwei Filme erreichen sechsstellige Zuschauerzahlen, wobei Pixars "Coco" mit gut 150.000 Besuchern deutlich vor "Paddington 2" bleiben sollte. Um Platz 3 rangeln "Mord im Orient Express", "Fack ju Göhte 3" und der beste Neustart "Daddy's Home 2" mit je 70.000 bis 80.000 Kinogängern - die Komödie mit Mark Wahlberg und Will Ferrell wiederholt somit ziemlich genau den Startwert des Vorgängers (knapp 80.000). Sonys Animationsfilm "Bo und der Weihnachtsstern" reiht sich knapp dahinter vermutlich auf Platz 6 ein, während "Zwischen zwei Leben" mit Kate Winslet und Idris Elba in der unteren Hälfte der Top 10 eröffnet und die deutsche Kinderfilmfortsetzung "Burg Schreckenstein 2" komplett floppt und nicht einmal ein Drittel des Startergebnisses (gut 80.000) des Vorgängers aus dem Vorjahr erzielen dürfte.
Auch in den USA herrscht die Ruhe vor dem nächstwöchigen "Star Wars Episode VIII"-Sturm: "Coco" verteidigt mit starken knapp $20 Mio. locker die Spitzenposition, dahinter kämpft das ungleiche Duo "Justice League" und "Wunder" mit jeweils an die $10 Mio. um die Positionen 2 und 3. Der einzige relativ breite Neustart des Wochenendes, die reife Komödie "Just Getting Started" mit Morgan Freeman und Tommy Lee Jones, enttäuscht mit bestenfalls $4 Mio. und Rang 8, dagegen zeigt James Francos unwahrscheinlicher OSCAR-Kandidat "The Disaster Artist" (eine Satire über die Entstehung des in den USA ob seiner unglaublich miesen Qualität kultigen Films "The Room") nach seinem letztwöchigen Sensationsstart in vier Kinos erneut seine Muskeln und kommt in nun 840 Kinos auf gute $6 Mio., womit er sich zwischen Platz 4 und 6 einreiht. In Deutschland kommt "The Disaster Artist" am 1. Februar 2018 in die Kinos, "Just Getting Started" hat noch keinen Starttermin - und könnte durchaus direkt als Heimkino-Veröffentlichung enden.

Quellen:

Freitag, 8. Dezember 2017

OSCAR-News: "Wonder Woman" in den AFI-Top 10, "Shape of Water" dominiert Critics' Choice Awards

Am Montag steht mit den Nominierungen für die Golden Globes der erste größere Höhepunkt der Awards Season an, diese Woche gab es mit den Nominierungen für die Critics' Choice Awards und der Bekanntgabe der zehn besten amerikanischen Filme des Jahres laut American Film Institute zwei aussagekräftige Wegweiser. Beginnen wir mit den Top 10 nach Ansicht des AFI (nach den Originaltiteln alphabetisch sortiert):

- The Big Sick
- Call Me by Your Name
- The Florida Project
- Lady Bird
- Die Verlegerin
- Shape of Water - Das Flüstern des Wassers
- Three Billboards Outside Ebbing, Missouri


Bevor ich die Auswahl analysiere, zunächst zum Vergleich die Nominierungen in der Kategorie "Bester Film" für die renommierten Critics' Choice Awards:

Bester Film:
- The Big Sick
- Call Me by Your Name
- Die dunkelste Stunde
- Dunkirk
- The Florida Project
- Get Out
- Lady Bird
- Die Verlegerin
- Shape of Water
- Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Nunja, es ist nicht schwer zu erkennen, daß es viele Gemeinsamkeiten gibt: "Die dunkelste Stunde" als britische Produktion stand bei den AFI Awards nicht zur Auswahl, ansonsten sind die Listen tatsächlich identisch. "Wonder Woman" ist also gewissermaßen der "Die dunkelste Stunde"-Ersatz, was ein großer Erfolg für den (bereits bei den NBR Awards in den Top 10 gelandeten) Superhelden-Film ist. Sollte er bei den Golden Globes ebenfalls als bester Film nominiert werden, könnte er tatsächlich eine reelle Chance auf eine OSCAR-Nominierung in der Königskategorie haben. Die promintesten nicht-nominierten Werke sind James Francos "The Disaster Artist" und Paul Thomas Andersons "Der seidene Faden", speziell Letzteren sollte man für die Academy Awards aber nicht unterschätzen. Ziemlich schlecht sieht es inzwischen für Kritikerliebling "Mudbound", Taylor Sheridans "Wind River" und Kathryn Bigelows kontrovers diskutiertes historisches Rassismus-Drama "Detroit" aus, die bislang alle keinen guten Lauf in der Awards Season haben und damit für die OSCARs zunehmend ins Hintertreffen geraten.

Sechs Filme haben andererseits das Triple bei NBR, AFI und Critics' Choice Awards geschafft: "Call Me by Your Name", "Dunkirk", "The Florida Project", "Get Out", "Lady Bird" und "Die Verlegerin". Man kann konstatieren: Dieses Sextett hat sehr gute Chancen auf eine OSCAR-Nominierung, ich tippe, daß wir mindestens fünf in der wichtigsten Kategorie der Academy Awards wiedersehen werden. Dazu sollte im Normalfall "Die dunkelste Stunde" kommen und "Shape of Water" scheint nach schwerfälligem Start inzwischen auch ins Rollen zu kommen. Womit wir schon bei der Überleitung zu den restlichen Kategorien der Critics' Choice Awards werden, die Guillmero del Toros Erwachsenen-Märchen mit 14 Nominierungen dominiert. Die Nominierungen in den OSCAR-relevanten Kategorien:

Mittwoch, 6. Dezember 2017

THE MISSING (TV-Serie, 2016, 2. Staffel)

Regie: Ben Chanan, Drehbuch: Jack & Harry Williams, Musik:
Darsteller: Tchéky Karyo, Keeley Hawes, David Morrissey, Laura Fraser, Abigail Hardingham, Jake Davies, Roger Allam, Florian Bartholomäi, Derek Riddell, Anastasia Hille, Lia Williams, Filip Peeters, Ólafur Darri Ólafsson, Daniel Ezra, Brian Bovell, Bernhard Schütz, Chelsea Edge, Stefan Schönenberg, Tobias Schönenberg, Indica Watson, Camille Schott, Fabrice Rodriguez, Sebastian Urbanski, Nabil Elouahabi, Lena Lauzemis, Cela Yildiz
 The Missing
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 96% (7,6); FSK: 16, Dauer: 472 Minuten.
Im Jahr 2003 verschwindet die 11 Jahre alte Alice – Tochter des dort stationierten britischen Offiziers Sam Webster (David Morrissey, "Centurion") und seiner Frau Gemma (Keeley Hawes, TV-Serie "Ashes to Ashes") – aus dem deutschen Ort Eckhausen. Die Ermittlungen bleiben erfolglos. 2014 taucht Alice (Abigail Hardingham, TV-Serie "Will") am gleichen Ort wieder auf, offensichtlich schwer traumatisiert, aber am Leben. Während sie, ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder Matthew (Jake Davies) versuchen, mit der neuen Situation umzugehen, versuchen die deutsche Polizei und das britische Militär unter Führung von Brigadier Stone (Roger Allam, "A Royal Night") und seiner hochschwangeren Tochter Sergeant Eve Stone (Laura Fraser, "Ritter aus Leidenschaft") in Zusammenarbeit den Täter ausfindig zu machen – denn wie sie von Alice erfahren haben, hatte sie noch eine in etwa gleichaltrige Mitgefangene namens Sophie Giroux. Die verschwand bereits 2002 aus Frankreich, der leitende Ermittler war Julien Baptiste (Tchéky Karyo, "Nikita"). Als der inzwischen pensionierte Julien von der neuen Spur erfährt, macht er sich sofort auf den Weg nach Deutschland, denn Sophies ungeklärtes Verschwinden ließ ihn niemals los …

Dienstag, 5. Dezember 2017

OSCAR-News: Vorauswahl bei den Spezialeffekten und den animierten Kurzfilmen

In einigen Kategorien gibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences schon vor den eigentlichen Nominierungen eine mal mehr, mal weniger große Vorauswahl bekannt, die noch im Rennen ist. Gestern abend geschah das in den ersten beiden Sparten, den Spezialeffekten und den animierten Kurzfilmen. Für die breite Öffentlichkeit sind die Spezialeffekte spannender (da die meisten Kurzfilme nur Insidern bekannt sind), daher wollen wir mit ihnen beginnen. 20 Filme konnten sich ihre Chance auf einen jener fünf Nominierungsplätze erhalten, die am 23. Januar 2018 bekanntgegeben werden:

- Jumanji: Welcome to the Jungle
- Life
- Okja
- The Shape of Water
- Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi

Jeder Mitfavorit hat diese erste, noch relativ kleine Hürde übersprungen (es gibt, wenn ich mich nicht irre, noch eine zweite Vorauswahl mit dann noch zehn Produktionen), einige kann man aber bereits als quasi gesetzt für eine Nominierung werten: An "Blade Runner 2049", "Dunkirk" und "Planet der Affen: Survival" dürfte kein Weg vorbeiführen. Damit blieben dann natürlich nur noch zwei Plätze für die übrigen 17 Anwärter übrig. Traditionell gute Chancen hat "Star Wars", aber die Konkurrenz ist inzwischen wesentlich größer als bei den ersten beiden Trilogien. Auch "Die Schöne und das Biest", Guillermo del Toros "The Shape of Water" und als chancenreicher Superhelden-Vertreter "Wonder Woman" sind gut im Rennen. "Jumanji 2" läßt sich noch nicht beurteilen, gegen "Okja" spricht die bisherige Netflix-Abneigung der Academy und gegen Luc Bessons "Valerian", daß der Film einfach generell nicht allzu gut ankam (ebenso wie "Ghost in the Shell"). Fakt ist: Es wird mehrere Filme geben, die eine Nominierung verpassen, obwohl sie ihnen mit einer vergleichbaren Leistung noch vor wenigen Jahren garantiert gewesen wäre - das zeigt, wie stark sich die Technik(anwendung) in Hollywood noch immer weiterentwickelt.

Mein früher Tip für die Nominierungen in der Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit:
- Planet der Affen: Survival
- Blade Runner 2049
- Dunkirk
- Die Schöne und das Biest
- Star Wars Episode VIII

Erste Nachrücker: Wonder Woman, Valerian und The Shape of Water. Gewinnen sollte meiner Meinung nach (ohne "Star Wars" gesehen zu haben) "Planet der Affen", aber ich vermute, daß sich "Blade Runner 2049" den Sieg schnappen wird.

Damit noch schnell zu den animierten Kurzfilmen, bei denen zehn im Wettbewerb verbleiben (auch hier werden im Januar fünf nominiert werden):

- Cradle
- Dear Basketball
- Fox and the Whale
- Garden Party
- In a Heartbeat
- Life Smartphone
- Lost Property Office
- Lou
- Negative Space
- Revolting Rhymes

Interessanterweise fehlt der meiner Meinung nach sehr gelungene (wenn auch wegen seiner Länge als "Coco"-Vorfilm umstrittene) "Die Eiskönigin"-Kurzfilm "Olaf taut auf". Pixar ist mit "Lou" vertreten, deutsche Kurzfilme sind dieses Mal nicht dabei - allerdings ist die 30-minütige britische Produktion "Revolting Rhymes" (deutscher Titel: "Es war einmal ... Nach Roald Dahl") vom deutschen Regie-Duo Jan Lachauer und Jakob Schuh vertreten. Die zwei erhielten bereits vor drei Jahren für "Für Hund und Katz ist auch noch Platz" eine OSCAR-Nominierung, Schuh außdem 2011 für "Der Grüffelo".

Quellen:

Montag, 4. Dezember 2017

TV-Tips für die Woche 49/2017

Montag, 4. Dezember:
Arte, 20.15 Uhr: "Portrait of a Lady" (1996):
Die Henry James-Adaption zählt trotz zweier OSCAR-Nominierungen und einer Starbesetzung mit Nicole Kidman, John Malkovich, Viggo Mortensen, Christian Bale, Barbara Hershey und Sir John Gielgud nicht zu den besten Filmen der neuseeländischen "Das Piano"-Regisseurin Jane Campion, bietet Freunden historischer Liebesdramen aber trotzdem gediegene Unterhaltung. Kidman spielt die junge Amerikanerin Isabel, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien in die gehobene Gesellschaft eingeführt werden soll, aber einen Landsmann (John Malkovich) heiratet, den sie auf Reisen trifft. Jedoch beschleicht sie schnell das Gefühl, daß ihr neuer Gatte sie nur wegen ihres nicht unbeträchtlichen geerbten Vermögens geheiratet hat ...

Arte, 23.35 Uhr: "Kolberg" (1945)
Eher nicht als pures Filmvergnügen zu empfehlen, aber aus historischer Sicht interessant ist Veit Harlans ("Jud Süß") von Joseph Goebbels höchstpersönlich beauftragtes Propagandawerk über die tapfere Gegenwehr der Deutschen gegen die Belagerung der preußischen Festung Kolberg durch Napoelons Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts. Götz Georges Vater Heinrich George spielt die Hauptrolle des Bürgermeisters Nettelbeck. "Kolberg" zählt übrigens zu den "Vorbehaltsfilmen", die aufgrund ihrer schamlosen Kriegspropaganda bis heute nicht für sich stehend gezeigt werden dürfen, sondern nur mit einer erklärenden Einordnung - die hier durch eine Doku und eine kurze Diskussionsrunde stattfindet, die vor dem Film ab 22.30 Uhr gezeigt werden.

Außerdem:
Ip Man (arg patriotisch geratenes, jedoch kampftechnisch sehr sehenswertes Portrait des von Donnie Yen verkörperten späteren Bruce Lee-Lehrmeisters; 22.00 Uhr um fast fünf Minuten gekürzt bei Tele 5, ungeschnittene Nachtwiederholung um 1.40 Uhr)

Dienstag, 5. Dezember:
Pro7Maxx, 20.15 Uhr: "Chronicle - Wozu bist du fähig?" (2012)
Josh Tranks etwas anderer Superheldenfilm ist im günstigen Found Footage-Format gedreht, das hier aber tatsächlich mal einigermaßen Sinn ergibt und gut in die Handlung integriert wird. Dane DeHaan ("Valerian"), Michael B. Jordan ("Creed") und Alex Russell ("Jungle") spielen drei Highschool-Schüler, die nach einer nächtlichen Begegnung mit einem offenbar nicht irdischen Objekt Superkräfte entwickeln. Zunächst haben sie ihren Spaß damit, doch dann kommt vor allem einer von ihnen zunehmend auf dumme Gedanken ...

RTL Nitro, 22.25 Uhr: "Lucky Number Slevin" (2006)
In Deutschland bekam Paul McGuigans origineller, ebenso gut durchdachter wie humorvoller Thriller nicht einmal einen Kinoeinsatz, dabei hätte er sich den mehr als verdient gehabt. Josh Hartnett ("Sin City") spielt Slevin, der irrtümlich von Gangstern entführt wird und unverhofft mitten in einen Machtkampf zwischen zwei rivalisierenden Gangsterbossen (gespielt von Ben Kingsley und Morgan Freeman) gerät. Zum Glück hat Slevin den Killer Mr. Goodkat (Bruce Willis) auf seiner Seite und erhält moralische Unterstützung durch die schöne Lindsey (Lucy Liu).

Samstag, 2. Dezember 2017

Samstags-Update (48/2017)

Drei französische Produktionen wurden noch sehr kurzfristig für einen deutschen Kinostart am kommenden Donnerstag angesetzt, davon habe ich die in ihrer Heimat klar erfolgreichste (die Komödie "Heirate mich, Alter!") in meine große Kinovorschau aufgenommen. Ansonsten gibt es keine Änderungen bis Ende Dezember:


Box Office-News:
Ist das die Ruhe vor dem (Weihnachts-)Sturm? Jedenfalls ist in den deutschen Kinos in dieser Woche nicht allzu viel los, weshalb Pixars "Coco" bereits ein eher enttäuschender Start mit einer Viertelmillion Zuschauern zur klaren Führung in den Charts reicht - angesichts exzellenter Mundpropangda und der bevorstehenden Feiertage ist eine lange Laufzeit zwar garantiert, die Blockbuster-Marke von drei Millionen Zuschauern dürfte nach diesem Auftakt dennoch nicht leicht zu knacken sein. Auch den zweiten Rang belegt ein hochgelobter Film, der sich an die ganze Familie richtet: "Paddington 2" liegt ungefähr 100.000 Besucher hinter "Coco", aber vor "Fack ju Göhte 3" und "Mord im Orient Express", die sich als letzte Filme mit sechsstelligen Zuschauerzahlen um die Plätze 3 und 4 streiten. Die weiteren Neustarts präsentieren sich zunächst ziemlich schwach: Sowohl die US-Erfolgskomödie "Girls Trip" als auch das von den Kritikern verrissene Horror-Remake "Flatliners" zielen auf 50.000 Kinogänger ab und sortieren sich somit im (unteren) Mittelfeld der Top 10 ein, welche die französische Gesellschaftssatire "Madame" mit Toni Collette, Harvey Keitel und Rossy de Palma komplett verfehlen wird.
In den USA präsentiert sich "Coco" wesentlich stärker als in Deutschland und verteidigt nach dem guten Start über das lange Thanksgiving-Wochenende mit einem Rückgang von weniger als 50% auf deutlich über $25 Mio. locker die Spitzenposition. Platz 2 geht in einer Woche ohne jegliche breite Neustarts an "Justice League" mit ziemlich genau $10 Mio. weniger als "Coco", gefolgt von "Wunder" mit knapp $15 Mio. am zweiten Wochenende. OSCAR-Mitfavorit "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" mit Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell erreicht dank einer deutlichen Ausweitung der Spielstätten mit gut $4 Mio. erstmals die Top 10 und wird dank einer erfolgversprechenden Awards Season noch lange in den Kinos bleiben. Einen sensationellen Auftakt legt derweil mit James Francos "The Disaster Artist" ein weiter OSCAR-Kandidat hin, der in nur 19 Kinos bis zu $1 Mio. Einspielergebnis erreichen und damit knapp die Top 10 verpassen wird! In Deutschland kommt "Three Billboards" am 25. Januar in die Kinos, "The Disaster Artist" folgt eine Woche später am 1. Februar.

Quellen: