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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Montag, 25. September 2017

TV-Tips für die Woche 39/2017

Montag, 25. September:
Arte, 20.15 Uhr: "Paper Moon" (1973)
Peter Bogdanovichs ("Is' was, Doc?") Filmklassiker der 1970er Jahre ist eine in schwarzweiß gefilmte Roadmovie-Tragikomödie über einen Trickbetrüger während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren, der sich überreden läßt, eine gerade zur Waise gewordene Neunjährige zu Verwandten zu bringen - stattdessen wird sie bald zu seiner Komplizin, als sich herausstellt, daß man ihm seine kleinen Betrügereien viel eher abkauft, wenn er ein süßes Kind dabei hat ... Einmal abgesehen von der gewitzten und warmherzigen Art der Erzählung funktioniert "Paper Moon" - aktuell auf Platz 210 in den IMDb Top 250 der besten Filme aller Zeiten - besonders deshalb so gut, weil die beiden Protagonisten sensationell miteinander harmonieren. Was kein Wunder ist, denn es handelt sich um Vater ("Love Story"-Star Ryan O'Neal) und Tochter (Tatum O'Neal), wobei Tatum ihrem Vater locker die Schau stiehlt und dafür mit einem sehr verdienten OSCAR belohnt wurde (als bis dahin jüngste Gewinnerin überhaupt)!

Arte, 21.55 Uhr: "Jugend ohne Jugend" (2007)
Free-TV-Premiere von Francis Ford Coppolas ("Der Pate"-Trilogie, "Apocalypse Now") Mystery-Drama über einen lebensmüden Professor der Sprachwissenschaft (Tim Roth), der während des Zweiten Weltkrieges nach einem Blitzschlag plötzlich nur noch halb so alt aussieht wie die 70 Jahre, die er bereits auf dem Buckel hat - und weiterhin immer jünger zu werden scheint. Außerdem entwickelt er merkwürdige, übernatürliche Fähigkeiten, die ihn ins Visier der Nazis bringen. Die Prämisse klingt ein wenig nach "Der seltsame Fall des Benjamin Button" oder "Für immer Adaline", doch Coppola legt deutlich mehr Wert auf eine allegorisch-philosophische Betrachtungsweise - was wohl zu Lasten des Unterhaltsamkeitsgrads seines Films geht. Die Kritiken fielen dementsprechend mittelmäßig aus und kommerziell erwies sich "Jugend ohne Jugend" als Flop, als Alterswerk eines grandiosen Filmemachers ist er jedoch für Cineasten sicherlich interessant - ich werde ihn mir jedenfalls anschauen. Die weibliche Hauptrolle spielt Alexandra Maria Lara, mit Bruno Ganz und André Hennicke sind weitere deutschsprachige Stars in größeren Rollen vertreten.

Samstag, 23. September 2017

Samstags-Update (38/2017)

Erneut keine Änderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende Oktober:


Box Office-News:
Zum zweiten Mal in Folge gibt es in den deutschen Kinocharts eine neue Nummer 1, allerdings bleibt es dabei, daß sich der Andrang in ziemlich engen Grenzen hält - nächste Woche sollte sich das dank "Es" ändern. Nun übernimmt aber "Kingsman: The Golden Circle" die Spitze und wiederholt mit gut 200.000 Zuschauern in etwa das Startergebnis des (viel besser rezensierten, aber mit weniger Stars aufwartenden) ersten Teils - im Gesamtergebnis dürfte die Fortsetzung jedoch schwächer abschneiden. Auch der zweite Platz geht an einen Neueinsteiger, der zweite LEGO-Film des Jahres, "The LEGO Ninjago Movie", eröffnet mit etwa 150.000 Besuchern; das ist deutlich weniger als bei "The LEGO Movie" (gut 285.000) und "The LEGO Batman Movie" (knapp 260.000), aber der neue Film hat eine engere Zielgruppe, da er sich viel eindeutiger an Kinder richtet als die beiden auch für Erwachsene durchaus reizvollen Vorgänger. Rang 3 geht an den Vorwochenspitzenreiter "High Society", der als letzter Film an diesem Wochenende noch knapp sechsstellige Besucherzahlen erreichen könnte.
Ähnlich, wenn auch auf einem höheren Niveau, sieht es in dieser Woche in den USA aus, wo ebenfalls "Kingsman 2" die Führung übernimmt und sogar etwas besser startet als der erste Teil ($36,2 Mio.). Rang 2 geht an "Es", der sich im Lauf der Woche bereits zum erfolgreichsten Horrorfilm der US-Kinogeschichte aufgeschwungen hat (nicht inflationsbereinigt) und auch am dritten Wochenende mit etwa $30 Mio. noch stark unterwegs ist. Den letzten Platz auf dem Treppchen sichert sich "The LEGO Ninjago Movie", bleibt aber mit nur etwas mehr als $20 Mio. wesentlich stärker hinter den Startergebnissen der Vorgänger ($69 Mio. respektive $53 Mio.) zurück als in Deutschland und muß deshalb ziemlich eindeutig als eine Enttäuschung verbucht werden - mittelmäßige Kritiken sprechen auch nicht unbedingt für eine lange Laufzeit, obwohl das bei Kinderfilmen weniger aussagekräftig ist. Der (englischsprachige) deutsche Horrorthriller "Unfriend" von Simon Verhoeven floppt derweil mit voraussichtlich unter $2 Mio., was immerhin knapp für den Einzug in die Top 10 reichen dürfte; auch wenn das wohl nur ein schwacher Trost ist ...

Quellen:

Donnerstag, 21. September 2017

MOTHER! (2017)

Regie und Drehbuch: Darren Aronofsky, Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris, Michelle Pfeiffer, Domhnall Gleeson, Brian Gleeson, Kristen Wiig, Stephen McHattie, Jovan Adepo, Laurence Leboeuf
 Mother!
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 68% (6,5); weltweites Einspielergebnis nach der Startwoche: $16,3 Mio.
FSK: 16, Dauer: 122 Minuten.

Eine junge Frau (Jennifer Lawrence, "Silver Linings") ist vor Kurzem mit ihrem doppelt so alten Ehemann (Javier Bardem, "Skyfall") – einem erfolgreichen, aber aktuell unter einer hartnäckigen Schreibblockade leidenden Schriftsteller – in eine prächtiges, abgelegenes Landhaus irgendwo in der Provinz gezogen. Es handelt sich um jenes Gebäude, in dem der Schriftsteller aufwuchs, das später aber einem verheerenden Brand zum Opfer fiel – die Ehefrau hat es in mühevoller Kleinarbeit wiederaufgebaut und renoviert, nun ist es zwar noch nicht ganz fertig, aber wieder bewohnbar. Schon bald wird die traute Zweisamkeit allerdings gestört durch einen ungebetenen Besucher (Ed Harris, "Snowpiercer"), den der Schriftsteller zum Unwillen seiner Frau einlädt, ein paar Tage bei ihnen zu bleiben. Die Verärgerung der Hausherrin steigert sich noch, als tags darauf die Gattin (Michelle Pfeiffer, "Dark Shadows") des Fremden auftaucht, sich kurzerhand ebenfalls einquartiert und sich ziemlich aufdringlich in ihr Leben und ihre Beziehung zu ihrem Mann einmischt. Und sie soll nicht der letzte Besucher bleiben. Endgültig zum Alptraum wird die Episode für alle Beteiligten, als es schließlich zu einer beinahe biblischen Bluttat kommt …

Mittwoch, 20. September 2017

BARRY SEAL – ONLY IN AMERICA (2017)

Originaltitel: American Made
Regie: Doug Liman, Drehbuch: Gary Spinelli, Musik: Christophe Beck
Darsteller: Tom Cruise, Domhnall Gleeson, Sarah Wright Olsen, Mark McCullogh, Caleb Landry Jones, Jesse Plemons, Jayma Mays, Benito Martinez, Lola Kirke, Mike Pniewski, Alejandro Edda, Mauricio Mejía, E. Roger Mitchell, Jed Rees, Connor Trinneer
 Barry Seal: Only in America
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 88% (6,8); weltweites Einspielergebnis (noch ohne USA): $49,1 Mio.
FSK: 12, Dauer: 115 Minuten.

USA, Ende der 1970er Jahre: Barry Seal (Tom Cruise, "Die Mumie") hat einen gutbezahlten Job als Pilot bei TWA, eine schöne Ehefrau (Sarah Wright Olsen, "Mädelsabend"), ein Kind – ein zweites ist unterwegs – und ein nettes Haus. Er sollte glücklich sein – in Wirklichkeit langweilt ihn sein Beruf zunehmend, weshalb er sofort hellhörig wird, als ihn eines Tages der CIA-Agent Schafer (Domhnall Gleeson, "Ex Machina") anspricht und ihm ein aufregenderes Jobangebot unterbreitet: Barry soll für die CIA in einem hochmodernen Kleinflugzeug Aufklärungsflüge über Mittelamerika machen und Fotos von den von der Sowjetunion unterstützten kommunistischen Revolutionären machen. Ohne seiner Frau davon zu erzählen, nimmt er den Auftrag an, kündigt bei TWA und erwirbt sich ob seiner halsbrecherischen Flugkünste (oft genug im Kugelhagel der wenig erfreuten Revolutionäre) einen guten Ruf bei der CIA – und bei anderen. So kommt es, daß Barry eines Tages von drei aufstrebenden Drogenproduzenten (darunter ein gewisser Pablo Escobar) angesprochen wird, für die er auf seinen Flügen Kokain in die USA schmuggeln soll. Da ihm hierfür eine viel bessere Bezahlung angeboten wird als von der CIA, akzeptiert er …

Montag, 18. September 2017

TV-Tips für die Woche 38/2017

Montag, 18. September:
Arte, 20.15 Uhr: "Der Wildeste unter Tausend" (1963)
Paul Newman spielt in dem siebenfach OSCAR-nominierten Spätwesterndrama von Martin Ritt ("Der Spion, der aus der Kälte kam") den ehrgeizigen und charismatischen, aber egoistischen Cowboy Hud, der immer wieder mit seinem stets moralisch agierenden Rancher-Vater (Melvyn Douglas) aneinandergerät. Während Hud davon träumt, Öl zu finden und reich zu werden, treibt er mit seinem rücksichtslosen Verhalten alle, die ihm etwas bedeuten, von sich weg ...

WDR, 0.05 Uhr: "Ich seh, Ich seh" (2014)
Free-TV-Premiere des preisgekrönten österreichischen Arthouse-Psycho-Horrorthrillers, in dem die zehnjährigen Zwillinge Lukas und Elias ihre Mutter nicht mehr wiedererkennen, nachdem sie von einer kosmetischen Gesichts-OP zurückkehrt. Um zu testen, ob sie wirklich ihre Mutter ist, stellen sie sie auf die Probe ...

Kabel Eins, 2.20 Uhr: "Das tödliche Wespennest" (2002)
Zugegeben, die Prämisse des ziemlich brutalen französischen Actionthrillers ist unglaubwürdig, aber sie sorgt für Nonstop-Hochspannung: Ein albanischer Mafiaboß soll von einer französisch-deutschen Polizeitruppe zu seinem Prozeß nach Straßburg gebracht werden - doch dessen Leute überfallen den nächtlichen Transport, sodaß sich die Überlebenden in dem Panzerwagen mit ihrem Gefangenen nur mit Mühe in einen nahegelegenen Industriekomplex retten können. Der wird zufällig gerade von einigen Kleinkriminellen ausgeraubt, die sich widerwillig mit den Cops zusammentun müssen, um sich gegen die schwerbewaffneten Angreifer zu wehren, die natürlich immer noch ihren Boß befreien wollen!

Dienstag, 19. September:
Arte, 20.15 Uhr: "Vietnam (1/9)" (2017)
Wenige Tage nach der US-Premiere zeigt Arte die deutsche TV-Premiere der umfangreichen Dokumentarreihe des zweifach OSCAR-nominierten Ken Burns über den Vietnam-Krieg samt Vor- und Nachwehen. In den USA dauert das satte 18 Stunden, für den Rest der Welt wurde eine "nur" etwa halb so lange internationale Schnittfassung gefertigt. Die zeigt Arte innerhalb von drei Tagen, wobei jeweils drei einstündige Episoden am Stück gezeigt werden.

Tele 5, 22.10 Uhr: "Bug - Tödliche Brut" (2006)
Eine gelungene Mischung aus Psychothriller und Horrorfilm von Regieveteran William Friedkin ("French Connection") über den Golfkriegs-Veteranen Peter (Michael Shannon), der überzeugt ist, von Insekten infiziert zu sein. Das ist nicht allzu hilfreich für seine aufblühende Romanze mit der geschiedenen Agnes (Ashley Judd) ...

Samstag, 16. September 2017

Nachruf: Harry Dean Stanton (1926-2017)

Nein, man kann nicht wirklich behaupten, daß Harry Dean Stanton ein schöner Mann war. Was man dagegen sehr wohl konstatieren kann, sogar muß, ist, daß dieser Harry Dean Stanton ein ungemein prägnantes, unverwechselbares Aussehen hatte, das ihn geradezu für seine vielen Charakterrollen prädestinierte. Die hochgewachsene, hagere Gestalt mit dem langen, schmalen und zerfurchten Gesicht und den ausdrucksstarken Augen, deren Blick irgendwie immer etwas Trauriges an sich hatte, mag dafür gesorgt haben, daß er nur wenige Hauptrollen erhielt. Doch daß er meist "nur" in Nebenrollen glänzen durfte, ist ob seines Könnens zwar bedauerlich, es macht sein schauspielerisches Vermächtnis aber keinesfalls kleiner. Am 15. September 2017 verstarb der US-Schauspieler mit 91 Jahren in Los Angeles friedlich im Schlaf.

Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bevor der Name Harry Dean Stanton tatsächlich nicht nur den allergrößten Filmfreaks ein Begriff war. Dabei ist mangelnder Fleiß das Letzte, was man dem im Zweiten Weltkrieg in der Navy dienenden Stanton vorwerfen kann. Ab Mitte der 1950er Jahre war er quasi im Dauereinsatz, zunächst vorwiegend als Westerndarsteller in kleinen Rollen in Filmen wie Michael Curtiz' "Der stolze Rebell" (1958), Monte Hellmans "Ritt im Wirbelwind" (1966) oder Jerry Thorpes "Totem" (1968), vor allem aber als (wiederkehrender) Gastdarsteller in TV-Serienklassikern wie "Bonanza", "Rauchende Colts", "Abenteuer im wilden Westen", "Die Leute von der Shiloh Ranch" oder "Tausend Meilen Staub" (heutzutage wohl besser bekannt unter dem Originaltitel "Rawhide", dessen Titelmusik auch jüngeren Generationen durch ihre Verwendung in "Blues Brothers" bekannt ist). Ab Ende der 1960er Jahre konnte Stanton auch vermehrt in anderen Genres punkten, er bereicherte spätere Klassiker wie Stuart Rosenbergs Gefängnisdrama "Der Unbeugsame" (1967, an der Seite von Paul Newman), Norman Jewisons Rassismus-Polizeithriller "In der Hitze der Nacht" (1967, neben Sidney Poitier) oder Brian G. Huttons schwarzhumorige Kriegskomödie "Stoßtrupp Gold" (1970) mit Clint Eastwood sowie Francis Ford Coppolas "Der Pate, Teil II" (1974) und Dick Richards' Film noir "Fahr zur Hölle, Liebling" (1975) mit Robert Mitchum, in denen er selbst kleinste Rollen (in "Der Pate, Teil II" hat er als FBI-Agent nicht einmal einen Namen) so ausdrucksstark spielt, daß sie in Erinnerung bleiben. Gleichzeitig blieb er aber auch dem Western treu und agierte in Sam Peckinpahs "Pat Garrett jagt Billy the Kid" (1973) und Arthur Penns "Duell am Missouri" (1975), in dem er an der Seite der Leinwandlegenden Jack Nicholson und Marlon Brando sogar eine große Nebenrolle innehatte.

Der wirkliche Durchbruch gelang Harry Dean Stanton erst in seinen Fünfzigern, maßgeblich daran beteiligt war neben John Hustons schrulligem Charakterdrama "Der Ketzer" Sir Ridley Scotts ebenfalls 1979 veröffentlichter "Alien". Der Weltraum-Horrorklassiker hob sich von vielen vorangegangenen Science Fiction-Filmen bekanntlich primär durch seinen "blue collar"-Ansatz ab, bei dem die siebenköpfige Raumschiffcrew ungewohnt unglamourös gewissermaßen als hart arbeitende Weltraum-Handwerker dargestellt werden. Besonders Harry Dean Stanton und Yaphet Kotto personifizieren diese blue collar-Mentalität in ihren Rollen als die hemdsärmeligen Raumschiffingenieure Brett und Parker, die meist in den dunklen, unwirtlichen Eingeweiden des Raumschiffs Nostromo tätig sind und die niedrigsten Ränge in der Crew bekleiden. Stanton und Kotto erden die futuristische Handlung mit ihren bodenständigen Figuren, mit denen sich viele Zuschauer vermutlich stärker identifizieren können als mit den üblichen strahlenden Science Fiction-Helden, weshalb man bei ihrem unvermeidlichen grausigen Tod auch mehr mitleidet als es sonst im Genre bei Nebenfiguren der Fall ist, die von Anfang an als Kanonenfutter erkennbar sind. In den Jahren nach diesem Meilenstein folgten für Stanton weitere gute Nebenrollen in Howard Zieffs Militärkomödie "Schütze Benjamin" (1980) mit Goldie Hawn, John Carpenters dystopischem Actionfilm "Die Klapperschlange" (1981) mit Kurt Russell und Carpenters Auto-Horrorfilm "Christine" (1983), in Alex Cox' originellem humoristischen Low Budget-Sci-Fi-Thriller "Repoman" (1984) durfte er sich sogar über eine der beiden Hauptrollen freuen.

Im gleichen Jahr setzte Harry Dean Stanton den schauspielerischen Höhepunkt seiner Karriere - dank eines Deutschen. Wim Wenders, damals so ziemlich auf dem qualitativen Zenit seiner Laufbahn (sein vorheriger Film "Der Stand der Dinge" wie auch vor allem der nachfolgende "Der Himmel über Berlin" sind unbestrittene Meisterwerke der Filmgeschichte), engagierte Stanton für die Hauptrolle in seinem nachdenklichen Road Movie "Paris, Texas" nach einer Vorlage des Theaterautors und Schauspielers Sam Shepard - der Stanton die Rolle übrigens nach einem zufälligen Treffen höchstpersönlich verschaffte! Die Hauptfigur Travis ist ein ausgemergelter und recht heruntergekommen wirkender Mann mittleren Alters. Eine Rolle wie geschaffen für den stets einen Hauch von Melancholie ausstrahlenden Harry Dean Stanton, denn Travis ist auf der Suche nach seiner großen Liebe Jane (Nastassja Kinski), mit der er einst trotz des großen Altersunterschieds glücklich war, ehe alles den Bach runterging ... Stanton selbst sagte, daß dies endlich die Art von Charakter war, die er immer spielen wollte und für die sich die vielen Jahre voller nicht sonderlich gut bezahlter Nebenrollen gelohnt haben. Daß das nicht nur so dahergeredet war, erkennt jeder, der "Paris, Texas" sieht: Stanton verkörpert Travis mit einer Leidenschaft und Intensität, daß es für jeden Anhänger großen Schauspielerkinos eine wahre Freude ist. Auszeichnungen gab es dafür unverständlicherweise trotzdem nicht, dafür war die Rolle des eher stoischen und wortkargen Travis wohl einfach nicht spektakulär genug.

Trotz des großen Kritikererfolges von "Paris, Texas" wurde Harry Dean Stanton fortan aber kein Hauptdarsteller-Material, doch konnte er seinen Ruf als exzellenter, vielseitiger Nebendarsteller zementieren und mit Kult-Filmemachern wie Martin Scorsese ("Die letzte Versuchung Christi", 1988), David Lynch ("Wild at Heart", 1990; "Twin Peaks - Der Film", 1992; "Inland Empire", 2006), Terry Gilliam ("Fear and Loathing in Las Vegas", 1998) und Frank Darabont ("The Green Mile", 1999) zusammenarbeiten, auch als fürsorglicher Vater der von Molly Ringwald ikonisch verkörperten Protagonistin in Howard Deutchs High School-Komödienklassiker "Pretty in Pink" (1986) und in Sean Penns grimmiger Dürrenmatt-Verfilmung "Das Versprechen" (2001) mit Jack Nicholson überzeugte er. 2006 kehrte Stanton ins Fernsehen zurück als der "Prophet" Roman Grant in den ersten vier Staffeln der gefeierten HBO-Sektenserie "Big Love", doch auch im Kino tauchte er immer wieder einmal unerwartet für wenige Szenen auf, so in Joss Whedons Marvel-Spektakel "The Avengers" (als Wachmann, der Bruce Banner nach dessen Rückverwandlung in seine menschliche Form nach dem unglücklich verlaufenen Kampf als Hulk gegen Loki findet), in Martin McDonaghs "7 Psychos" oder in Kim-Jee woons "The Last Stand" (2013). Irgendwie ist es auch passend, daß einer seiner letzten Auftritte vor der Kamera in der sehr späten TV-Fortsetzung von David Lynchs "Twin Peaks" stattfand, in der Stanton 2017 in fünf Episoden als Campingplatz-Besitzer Carl Rodd auftrat. In seinem letzten Kinofilm, dem Selbstfindungsdrama "Lucky", das in den USA zwei Wochen nach seinem Tod in die Kinos kommt und von dem Regisseur John Carroll Lynch als "Liebesbrief an Harry Dean Stantons Karriere" bezeichnet wird, spielt dieser ein letztes Mal eine Hauptrolle - und erhält dafür viel Lob von den Kritikern.

Die IMDb zählt genau 199 Filme und TV-Serien auf, in denen der bis zuletzt fleißige Stanton auftrat, und ich gebe es gerne zu: Ihn in einer kleinen Rolle auf der Kinoleinwand zu entdecken, wurde für mich über die Jahre hinweg so alltäglich, daß ein kleiner, irrationaler Teil von mir fest überzeugt war, Harry Dean Stanton würde ewig leben und schauspielern. Bedauerlicherweise lag er falsch.

R.I.P.
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Samstags-Update (37/2017)

Keine Veränderungen im deutschen Kinostartplan bis Ende Oktober - wenn wir etwas weiter vorausblicken, dann dürfte aber sicherlich für einige Leser von Interesse sein, daß "Star Wars Episode IX" diese Woche - als Nebenwirkung des Regiewechsels von Colin Trevorrow zu J.J. Abrams - vom geplanten Sommerstart 2019 auf den 19. Dezember verschoben wurde und damit den Platz tauscht mit dem "Aladdin"-Realfilm (wobei der in Deutschland noch keinen konkreten Starttermin hat, aber es sollte wie in den USA auf Mai hinauslaufen).


Box Office-News:
Der Trubel in den deutschen Kinos hält sich weiterhin in ziemlich engen Grenzen, zumindest gibt es diese Woche aber nach längerer Zeit mal wieder eine neue Nummer 1: Anika Deckers Komödie "High Society" mit Emilia Schüle, Iris Berben und Katja Riemann erreicht mit etwa 150.000 Zuschauern als einziger Film der Woche sicher sechsstelliges Besucherterrain. Der bisherige Spitzenreiter "Bullyparade" und auch der zweite breite Neustart der Woche, Steven Soderberghs Gaunerkomödie "Logan Lucky" mit Daniel Craig, Channing Tatum, Adam Driver und Katie Holmes, kratzen zumindest an dieser Marke. Darren Aronofskys Arthouse-Horrorfilm "mother!" mit Jennifer Lawrence ordnet sich etwas dahinter voraussichtlich auf Platz 5 (hinter "The Circle") ein.
Auch in den USA geht es nach dem vergangenen Rekord-Wochenende, an dem die Stephen King-Adaption "Es" alle Erwartungen übertraf und mit $123,1 Mio. nicht nur den September-Startrekord pulverisierte, sondern auch den mit Abstand besten Start eines Horrorfilms aller Zeiten hinlegte, etwas gemächlicher zu. "Es" überzeugt aber weiterhin auf der ganzen Linie und verteidigt die Spitze problemlos mit ungefähr $55 Mio. - angesichts der bislang überragenden Mundpropaganda könnten es auch noch $60 Mio. werden! Auf Platz 2 legt der Actionthriller "American Assassin" mit Dylan O'Brien und Michael Keaton einen soliden Start mit $15 Mio. hin. Schlechter sieht es für Darren Aronofskys "mother!" aus, der mit etwa $8 Mio. auf Rang 3 zwar ebenfalls im Rahmen der Erwartungen anläuft, jedoch trotz guter Kritiken das Publikum stark polarisiert und deshalb ziemlich schnell wieder aus den Kinos verschwinden dürfte. Das Budget liegt nach offiziellen Angaben zwar nur bei $30 Mio., der Weg in die schwarzen Zahlen dürfte trotzdem ziemlich lang und beschwerlich werden ... In Deutschland kommt "American Assassin" am 12. Oktober in die Kinos.

Quellen:

Mittwoch, 13. September 2017

Ein (technisches) Unglück kommt selten allein ...

So, da bin ich wieder - nachdem ich seit Samstag Abend keine Internet-Verbindung bekommen konnte, ist das Problem inzwischen gelöst. Meine TV-Tips fielen den technischen Problemen trotzdem zum Opfer und ich werde sie auch nicht nachholen, außerdem werde ich wohl bis Samstag generell nichts bloggen - denn am Montag ging auch noch mein Fernseher kaputt (nach mehr als zwölfeinhalb Jahren), weshalb ich jetzt erst einmal recherchieren muß, was ich mir für einen neuen kaufe ...

Samstag, 9. September 2017

Samstags-Update (36/2017)

Ich habe den japanischen Coming of Age-Animationsfilm "A Silent Voice", den ich schon sehen konnte und der ab Ende September im ausgewählten Kinos läuft, meiner Vorschau zugefügt; ansonsten gibt es keine Änderungen im deutschen Startplan bis Ende Oktober:


Box Office-News:
"Bullyparade - Der Film" behauptet ein weiteres Mal die Führung in den deutschen Kinocharts, was zwar eine gute Nachricht für Bully und sein Team ist, aber eine deutlich weniger gute für die Konkurrenz und die Kinobetreiber - denn die Gesamt-Zuschauerzahlen sehen an diesem Wochenende einmal mehr ziemlich mager aus. Bully reichen bereits gut 150.000 Besucher für Platz 1, die beiden hochkarätig besetzten Hollywood-Neuzugänge "Barry Seal" mit Tom Cruise und "The Circle" mit Emma Watson und Tom Hanks folgen auf den Rängen dicht beieinander mit bestenfalls mittelmäßigen Zahlen im niedrigen sechsstelligen Bereich. Alle weiteren Filme landen unterhalb der 100.000 Besucher-Marke.
In den USA sieht es erheblich besser aus, denn nachdem Hollywood in den letzten Monaten vorwiegend Rekorde vermelden mußte, auf die es lieber verzichtet hätte (schwächster Sommer seit Jahren, schwächster August, schwächstes Labor Day-Wochenende seit 12 Jahren), gibt es dieses Mal einen sehr positiven: Die von den Kritikern gelobte Stephen King-Verfilmung "Es" pulverisiert den bisherigen September-Startrekord von "Hotel Transsilvanien 2" ($48,5 Mio.) mit einem Wochenende von definitiv über $90 Mio., je nach Frontlastigkeit und den Auswirkungen von Hurricane Irma könnte sogar die $100 Mio.-Marke geknackt werden! Ganz offensichtlich ist das US-Publikum keineswegs generell kinomüde - es war nur nicht zufrieden mit dem, was ihm zuletzt geboten wurde. Mit gewaltigem Respektsabstand auf Platz 2 landet Reese Witherspoon mit ihrer neuen romantischen Komödie "Liebe zu Besuch", die wohl knapp unterhalb der $10 Mio. bleiben wird - ein sehr mäßiges Ergebnis, wobei die schwachen Kritiken sicherlich nicht hilfreich waren. Rang 3 geht an "Killer's Bodyguard" - konkrete Zahlen gibt es noch nicht, es dürften aber etwas mehr als $5 Mio. werden. In Deutschland kommt "Es" am 28. September in die Kinos, "Liebe zu Besuch" folgt am 23. November.

Quellen:

Donnerstag, 7. September 2017

OSCAR-News: Ehren-OSCAR für Donald Sutherland und drei weitere Filmschaffende

Yep, es ist wieder so weit: Die OSCAR-Saison 2017/2018 steht vor der Tür! Klar, die eigentliche Awards Season beginnt erst Ende November mit den ersten Kritikerpreisen, aber traditionell werden zahlreiche hoffnungsvolle Academy Award-Anwärter ab Ende August bei den großen Herbstfestivals in Venedig, Telluride und Toronto (beginnt heute) vorgestellt. Auch dieses Jahr konnten sich dort bereits einige Hochkaräter in Stellung bringen, während andere sich aus dem OSCAR-Rennen verabschiedet haben, bevor es richtig begonnen hat - einen Überblick darüber werde ich voraussichtlich in der nächsten oder übernächsten Woche posten. Parallel zu den besagten Herbstfestivals hat die Academy selbst gestern die Empfänger der Ehren-OSCARs 2017 bekanntgegeben. Bis vor ein paar Jahren wurden diese Preise bei der Verleihung selbst verliehen, inzwischen wurde das Ganze ausgelagert und geschieht im Rahmen der "Governors Awards" im November. Geehrt werden:

Donald Sutherland
Agnès Varda
Charles Burnett
Owen Roizman

Ich persönlich freue mich am meisten für Donald Sutherland, weil der Kanadier seit langer Zeit einer meiner Lieblingsschauspieler ist, trotz vieler preiswürdiger Rollen unverständlicherweise aber nie auch nur für einen Academy Award nominiert wurde. Bekannt wurde Sutherland 1967 mit Robert Aldrichs Kriegsfilm-Klassiker "Das dreckige Dutzend", in den 1970er Jahren zeigte er grandiose Leistungen in Robert Altmans "M.A.S.H." (1970), Alan J. Pakulas "Klute" (1971), Nicolas Roegs "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973), Philip Kaufmanns "Die Körperfresser kommen" (1977), in dem er in der letzten Einstellung für einen der gänsehauterzeugendsten, ikonischsten Momente der Filmhistorie sorgte! Auch für Robert Redfords "Eine ganz normale Familie" (1980), Richard Marquands "Die Nadel" (1981), Anthony Minghellas "Unterwegs nach Cold Mountain" (2003), Joe Wrights "Stolz und Vorurteil" (2005) und als Bösewicht in der "Die Tribute von Panem"-Reihe erhielt Sutherland viel Lob und etliche Auszeichnungen, wenn auch eben nie eine Nominierung für einen Academy Award. Und angesichts seiner inzwischen 83 Jahre sind die Chancen auch nicht allzu groß, daß sich das noch einmal ändert. Umso mehr hat er sich zumindest den Ehren-OSCAR verdient!

Die vor 90 Jahren in Belgien geborene, aber größtenteils in Frankreich lebende und arbeitende Agnès Varda zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Filmemacherinnen Europas, zu ihren bedeutendsten Werken zählen "Cleo - Mittwoch zwischen 5 und 7" (1961), "Das Glück aus dem Blickwinkel des Mannes" (1965), "Vogelfrei" (1985) und "Die Zeit mit Julien" (1987), dazu drehte sie zahlreiche Dokumentarfilme.

Charles Burnett, mit 73 Jahren der jüngste diesjährige Gewinner, ist ein afroamerikanischer Regisseur und Drehbuch-Autor, der überwiegend im Independent-Bereich tätig war und ist. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Schafe töten" (1978), "My Brother's Wedding" (1983) und "Zorniger Schlaf" (1990).

Owen Roizman schließlich ist ein 80 Jahre alter Kameramann, der in seiner langen Karriere für fünf OSCARs nominiert war, jedoch nie gewann. Die Nominierungen erhielt er für seine teils bahnbrechende Kamerarbeit an "French Connection" (1970), "Der Exorzist" (1973), "Network" (1976), "Tootsie" (1982) und "Wyatt Earp" (1994), weitere nennenswerte Filme waren "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3" (1974), "Die drei Tage des Condor" (1975), "Der elektrische Reiter" (1979), "Die Sensationsreporterin" (1981) und "Die Addams Family" (1991), sein letzter Film war "French Kiss" (1995). Zusätzlich inszenierte er einige Madonna-Musikvideos und ist seit dem Jahr 1997 Präsident der "American Society of Cinematographers" (A.S.C.) sowie seit 2002 Vorstandsmitglied der Academy - was wahrscheinlich erklärt, warum er in den letzten 22 Jahren keine Filme mehr gedreht hat ...

Meinen Glückwunsch an alle vier Ehren-OSCAR-Preisträger des Jahres 2017!

Quelle: