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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 18. Mai 2017

ALIEN: COVENANT (2017)

Regie: Sir Ridley Scott, Drehbuch: John Logan und Dante Harper, Musik: Jed Kurzel
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Callie Hernandez, Demián Bichir, Danny McBride, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Amy Seimetz, Uli Latufeku, Nathaniel Dean, Alexander England, Benjamin Rigby, Tess Haubrich, James Franco, Guy Pearce, Noomi Rapace
 Alien: Covenant
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 69% (6,3); weltweites Einspielergebnis: $240,7 Mio.
FSK: 16, Dauer: 122 Minuten.

Zehn Jahre nach dem ungeklärten Verschwinden des Raumschiffs "Prometheus" befindet sich das Kolonieraumschiff "Covenant" mit mehr als 2000 Kolonisten an Bord auf der Reise zu dem bewohnbaren Planeten Origae-6. Während sich Schiffsbesatzung und Kolonisten im Tiefschlaf befinden, sorgt Android Walter (Michael Fassbender, "Macbeth") dafür, daß alles glatt läuft. Als das Raumschiff allerdings durch eine plötzliche Neutrinoeruption (falls ich mir den Begriff richtig gemerkt habe …) in der Nähe beschädigt wird, initiiert Walter ein Notaufwachen der Crew – das der Captain leider nicht überlebt. Sein Stellvertreter Christopher Oram (Billy Crudup, "Jackie") übernimmt zögerlich das Kommando; nach der Reparatur der "Covenant" entscheidet er, einem merkwürdigen und stark verzerrten Funksignal nachzugehen, das sie überraschend empfangen und aus dem sie eine menschliche Stimme herauszuhören glauben. Daß der Planet, von dem das Signal ausgeht, nach einem wunderbaren Ort für die Kolonisierung aussieht, bestärkt Oram in seiner Entscheidung, die von der ganzen Crew gestützt wird – nur die Terraforming-Expertin Daniels (Katherine Waterston, "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind") ist sehr skeptisch, warum die Verantwortlichen trotz gründlicher Vorbereitung lieber einen viel weiter entfernten Planeten als Ziel auserkoren haben. Ihr Mißtrauen wird mehr als bestätigt, als schon kurz nach der Ankunft eines Landungstrupps zwei Männer ernsthaft erkranken und dann noch tödliche Kreaturen auftauchen. Mit Mühe und unter Verlusten kann ihr Angriff zurückgeschlagen werden – dank der unerwarteten Hilfe des Androiden David (ebenfalls Michael Fassbender), des letzten Überlebenden der "Prometheus" …

Kritik:
Eines kann man der langlebigen "Alien"-Weltraumhorror-Reihe ganz bestimmt nicht vorwerfen: mangelnden Mut zu neuen Ideen. Vielmehr ist das "Alien"-Universum (zu dem die beiden wenig geglückten "Alien vs. Predator"-Crossover offiziell übrigens nicht zählen) sogar bemerkenswert abwechslungsreich, wobei man sogar in Kauf nahm, die Erwartungen der Fans mit dem steten Willen zum Wandel zu enttäuschen. War Ridley Scotts "Alien" noch ein echter Horrorfilm, der mit seinem Szenario und der "Arbeiterschicht-Crew" des Raumschiffs Nostromo sowie mit der Protagonistin Ellen Ripley das Genre revolutionierte, setzte James Cameron in "Aliens – Die Rückkehr" dem einen betont actionreichen "Marines in Space"-Ansatz entgegen, der ebenfalls perfekt funktionierte. Der Bruch zu "Alien 3" war sogar noch größer, denn der noch unerfahrene David Fincher schickte Ripley in eine kammerspielartige Gefängnishandlung voller Antihelden; Jean-Pierre Jeunet wiederum konfrontierte Ripley in seinem von schrägem Humor und skurrilen Figuren geprägten "Alien – Die Wiedergeburt" mit einer ganz neuen Ebene ihres persönlichen Horros. Und als Ridley Scott mit dem Prequel "Prometheus" zu jenem Franchise zurückkehrte, das ihm gut drei Jahrzehnte zuvor den Durchbruch bescherte, brachte er einen philosophischen Ansatz über die Urpsprünge der Menschheit ein. Zugegeben, nicht alle Neuerungen in diesen fünf Filmen funktionierten, vor allem der dritte und der vierte Film (die ich persönlich beide trotz unbestreitbarer Schwächen sehr schätze) haben ihre Kritiker, auch "Prometheus" wurde eher verhalten wohlwollend aufgenommen. Vielleicht ist das der Grund, warum Scott die Fortsetzung nicht nur umbenannte und auf den ersten Blick als "Alien"-Film erkennbar machte, sondern sich auch inhaltlich von dem abwendet, was er ursprünglich im Sinn hatte und was das recht verheißungsvolle Ende von "Prometheus" versprach. "Alien: Covenant" orientiert sich deutlich stärker an den früheren Filmen der Reihe (besonders dem zweiten), was zwar zu einem klar erhöhten Erzähltempo und mehr Action führt, doch gleichzeitig der Handlung schadet. Aber vor allem: "Covenant" ist der erste "Alien"-Film, der im Grunde genommen nichts Neues zu bieten hat. Und das finde ich ziemlich enttäuschend.

Von Drehbuch-Autor John Logan, der Filme wie "Gladiator" oder "Skyfall" verantwortete, hätte ich wahrlich eine bessere Story erwartet als das, was wir hier geboten bekommen. Zwar ist die Einführung (nach einem Prolog, der uns zurück in die Zeit führt, in der David erschaffen wurde) stimmungsvoll und vermittelt einem ein gutes Gefühl für die Arbeit der Raumschiff-Crew, reicht dabei aber niemals an Scotts Leistung in "Alien" heran, die (dort allerdings nur etwa halb so große) Mannschaft dem Zuschauer glaubwürdig nahezubringen und ihm ein authentisches Bild des entbehrungsreichen Lebens an Bord zu vermitteln. "Alien: Covenant" ist in dieser Hinsicht bestenfalls zweckmäßig, speziell die Figurenzeichnung erreicht einen Tiefpunkt innerhalb der Reihe. Wo die früheren Filme allesamt mehrere einprägsame, selbst bei mangelndem Tiefgang zumindest schillernde Charaktere einbrachten, bleibt in "Covenant" außer Walter, dem Ersatz-Captain Oram, Daniels und mit Abstrichen noch Pilot Tennessee (Danny McBride, "Das ist das Ende") – der aber an Bord der "Covenant" bleibt und somit über weite Strecken des Films nicht in die eigentliche Action involviert ist , niemand wirklich in Erinnerung. Selbst Daniels, die im effektiven Trailer als ebenbürtige Ripley-Nachfolgerin eingeführt wurde, spielt eine erstaunlich passive Rolle, weshalb Katherine Waterston erst in den letzten 20 Minuten ihre Eignung zur Actionheroin zeigen kann. Besonders im Vergleich zum von der Prämisse her am stärksten vergleichbaren "Aliens – Die Rückkehr" fällt die Austauschbarkeit der Crewmitglieder ins Auge, was auch deren meist unvermeidliches Ableben eines Gutteils seiner beabsichtigten Wirkung beraubt.

Verstärkt wird das ungute Gefühl der Beliebigkeit noch dadurch, daß Scott und Logan (der bei dem Drehbuch vom sonst in der Postproduktion von Filmen tätigen Dante Harper unterstützt wurde) es selbst bei den Alien-Attacken an Einfallsreichtum und Subtilität missen lassen. Die meisten Todesfälle sind sehr vorhersehbar und wirken in dem offensichtlichen Bemühen, die Fans der Reihe durch das Aufwärmen ikonischer Szenen zufriedenzustellen, wie bloße Kopien. Handwerklich ist das natürlich gut gemacht und von Kameramann Dariusz Wolski ("Pirates of the Caribbean"-Reihe, "Der Marsianer") wie immer bei Scott bildgewaltig in Szene gesetzt; aber wer schon einmal einen "Alien"-Film gesehen hat (oder auch nur einen der vielen Nachahmer), den wird kaum etwas davon überraschen oder gar beeindrucken können. Dazu kommt, daß sich die "Covenant"-Crewmitglieder wie schon ihre "Prometheus"-Pendants nicht allzu logisch oder klug verhalten und damit ihr eigenes Schicksal zuverlässig beschleunigen.

Das einzige – neben der eindrucksvollen visuellen Ausgestaltung dieser fremden Welt (auch wenn die Aliens selbst mir in den frühen Teilen besser gefallen haben) –, was "Alien: Covenant" ein bißchen aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit herauszieht, ist die Konfrontation der beiden Androiden David und Walter. Walter ist das neueste Modell, das im Vergleich zu David in jeder Hinsicht verbessert wurde – allerdings weniger menschlich, weniger eigenständig gestaltet, da das David-Modell mit seiner allzu großen Menschlichkeit die echten Menschen irritiert hat (was man dank Michael Fassbenders gewohnt facettenreicher Darstellung in "Prometheus" und nun auch in "Covenant" gut nachvollziehen kann). Walter und David sind also so etwas wie Brüder – so bezeichnen sie sich selbst –, die vieles gemein haben, sich aber in einigen entscheidenden Punkten stark unterscheiden. Das wird besonders in den philosophischen Diskussionen der beiden offenbar, in denen "Covenant" dann auch tatsächlich wie eine "Prometheus"-Fortsetzung wirkt. Bedauerlicherweise nimmt dieses faszinierende Element (bei dem Autor Logan seine Stärken kurz ausspielen kann) aber keinen allzu großen Raum innerhalb der "Covenant"-Story ein, außerdem hätte ich mir ausführlichere Rückblicke auf das gewünscht, was nach dem Ende von "Prometheus" geschah – dann hätte man außerdem dessen überlebender Hauptdarstellerin Noomi Rapace mehr als nur ein Cameo gönnen können. David erzählt zwar ein bißchen von seinen Erlebnissen der letzten zehn Jahre und wir erfahren ein paar zusätzliche beklemmende Details, aber letztlich wird das doch arg kurz und fast schon lieblos abgehandelt zugunsten des stärkeren Actionschwerpunkts von "Covenant". Auch das Finale hat abseits einiger Déjà-vu-Momente und schöner Bilder nichts wirklich Spektakuläres zu bieten und bleibt damit hinter den Showdowns sämtlicher Reihen-Vorgänger zurück. Scott gelingt es diesmal einfach nicht, die Einzigartigkeit und die immense Bedrohlichkeit der ikonischen Kreaturen auf die Leinwand zu übertragen. Und das auf die von Scott bereits fest eingeplante Fortsetzung einstimmende Ende ist erstens extrem vorhersehbar und kann mir zweitens nicht unbedingt die allergrößte Vorfreude auf die kommenden Ereignisse vermitteln – das bekam "Prometheus" besser hin, auch wenn "Covenant" das Versprochene dann nur ansatzweise eingehalten hat.

Fazit: "Alien: Covenant" ist ein bildgewaltiger, handwerklich gut umgesetzter Weltraumhorror-Actionfilm, der Fans mehr von dem bietet, was die Reihe ausmacht, aber mit einem eklatanten Mangel an Ideen und Subtilität enttäuscht – trotz einer exzellenten Vorstellung des doppelten Hauptdarstellers Michael Fassbender.

Wertung: 6 Punkte.


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